GERTI HOPF 
1957 geboren in Wien 
seit 1994  zahlreiche Ausstellungen  
  
im In- und Ausland u.a. in Kairo, Skopje, Tirana, Paris-Villemomble, Italien-Borgo,
Tschechien-Hostopece, Paris Cloitre und Galerie le Génie de che la Bastie,
Deutschland - Rheinland Pfalz 
 
Ausbildung: 
Aktmalerei, Keramik- japanischer RAKU-Brenntechnik, Körper- und Kopfplastiken, Aquarell, Collage, Monotypie, Bildhauerei, Drahtgeflechte, Druckgrafik

Mitgliedschaften: IntAkt - Internationale Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen, "Forum Weltoffen", Kulturvernetzung NÖ, Kunstkanzlei, Berufsvereinigung der Bildenden KünstlerInnen Graz ,Gesellschaft für Kulturpolitik, grenzArt, Künstlersymposium Pöchlarn 

Kuratorin der "Domenig-Galerie in der Ankerbrot" - Wien 
   
Genuss der Muse
"Torso [ital.] der, fragmentarisch erhaltene oder unvollendete Statue, bei der Teile abgebrochen oder nie ausgeführt worden sind" - so steht es im Lexikon. Torsi, die aus der Werkstatt der Keramikerin Gerti Hopf kommen, sind anders: Die Mehrzahl ist "handlich", findet Platz in jedem Regal, auf jedem Schreibtisch - und sie sind be-greifbar. Das Betasten der Form, der Unebenheiten, das Fühlen ihres Gewichts machen die Arbeiten für den Betrachter zum haptischen Erleben der Anliegen, die die Künstlerin zum Ausdruck bringt. Und da gibt es nichts Unvollendetes, denn Hopfs perfekte Skulpturen zeigen in ihrer Haltung nicht nur die Erfahrungen und Erkenntnisse, die sie im Lauf ihres Lebens geprägt haben, sondern auch die Lust am Frausein.

"Der Rücken einer Frau sagt mir mehr als ihre Worte", meint die Künstlerin und plädiert für ein selbstbewusstes Auftreten in der Gesellschaft und für den aufrechten Gang durchs (frauliche) Leben. Sinnlichkeit und Freude an Erotik, die den Frauen vor allem im Europa des 19.Jahrhunderts abgesprochen wurden, stehen im Mittelpunkt von Gerti Hopfs Arbeiten. Und hier endet auch schon der feministische Ansatz. Denn wer als Frau zu seinem Körper und zu seinen Erkenntnissen steht, braucht keine Parolen, es genügt, Kraft zu zeigen, alles andere ergibt sich von selbst.

Und kraftvoll sind auch die Glasuren, die von der Künstlerin in Raku-Technik aufgebracht werden. Es handelt sich dabei um eine Brenntechnik aus Japan, die auf eine aus dem 16. Jahrhundert stammende Teezeremonie zurückgeht. Raku bedeutet soviel wie "Wohlgefühl, Freude und Glück", aber auch "Genuss der Muse". Beim Brand in Raku-Technik wird das Keramikobjekt nach dem Ausschmelzen der Glasur noch glühend aus dem Brennofen geholt und mit Holzspänen, Sägemehl, Laub oder Papier unter Luftabschluss zum "Räuchern" gelegt. Durch den Sauer- stoffentzug verändern sich die Farben, und die reduzierende Umgebung erzeugt bei der Glasur durch die beigemengten Metalle,die bei der Oxydation farbige, metallische oder irisierende Effekte hervorrufen. Meist bildet sich das sogenannte "Craquelé", also ein Rissnetz, in der Glasur, in die sich während der Räucherung Kohlenstoff einbrennt und das Schwarz in den Rissen zum Vorschein bringt.

Wenn sich auch Gerti Hopf als "Handwerkerin" sieht - die Arbeit mit Ton und am Brennofen impliziert diese Sicht -, so steht doch der künstlerische Anspruch im Vordergrund der Arbeiten der Mittvierzigerin aus Ottakring. Denn eine umfangreiche Ausstellungstätigkeit zeugt von der Präsenz der Künstlerin, die neben ihren keramischen Arbeiten - dazu gehören auch sehr ausdrucksstarke Kopf-Plastiken - auch Collagen, Aquarelle und Mischtechniken umfasst.

Christine Jones über Gerti Hopf am 14.9.2011 zur Ausstellung:
"Eine Frau mit vielen Gesichtern"

Nachdem ich gerade aus einem Teil unserer Erdkugel komme, in dem es gerade die Frauen sind, die die Lust und die Last unserer Welt alleine in sich zu tragen haben, ist es für mich eine besondere Freude, die heutige Ausstellung "Eine Frau mit vielen Gesichtern" in der EGA eröffnen zu dürfen. 

Die Ästhetik des menschlichen Körpers zwischen Zweck, Form und Freitheit in Gerti Hopf's Skulpturenwelt zeigt in unübersehbarer Weise die Kraft und die Zerbrechlichkeit des weiblichen Köpers - Hand in Hand mit der weiblichen Psyche. Mag auch in anderen Erdteilen der weibliche Körper eine intensivere Betrachtung als Fruchtbarkeit- und Erotiksymbol genießen, die abseits unserer Auffassung von der 90/60/90-Norm liegt. Für Gerti Hopf's Kunst steht die Eroktik im Zentrum.

Dreidimensional als Objekt im Raum, erweitert durch die Dimension des Lebens, als Ausdruck der Zeit zwischen Geburt und Tod. Erweitert auch durch die Ironie als Ausdruck der existenziellen Ambivalenz des Mensch-Seins vom Streben nach dem Besonderen, Erhabenen und dem Bewußtsein des Allgemeinen, Bescheidenen.

In Gerti Hopf's modellierten Torsi spiegelt sich der Ausdruck des Zustandes der Künstlerin zu ihrer Umwelt - sprich: zu den Menschen. Gertis subjektives Empfinden zu ihren jeweiligen Schöpfungen läßt diese jedoch immer als individuelles Objekt wahrnehmen. 

Gertis Körpergestaltungen - sprich: Torsi, sind niemals getreue Nachbildungen jeweiliger Vorbilder, sondern werden durch Verfremdung von Form und Farbe überhöht. 

Nähe und Distanz halten sich die Waage: Beziehungsnotwendigkeit, Beziehungsunfähigkeit und Beziehungsunmöglilchkeiten sind hier impliziert. 

Wir, die wir diese Skulpturen, aber auch die humorvollen Collagen und weiteren Werke von Gerti Hopf betrachten, sind damit einer direkten Konfrontation mit uns selbst ausgesetzt. Und gerade dies macht Gerti Hopf's Kunst so wichtig und liebenswert. Vielgestaltig ("mit vielen Gesichtern") ist das Spiel zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, Heiterkeit und Tragik, zwischen Betrachter und Betrachtetem. 

Gerti Hopf's künstlerisches Schaffen gibt einen repräsentativen Überblick über die Empfindsamkeit der weiblichen Psyche und des weiblichen Körpers.

Gerti Hopf's Arbeit strahlt eine ungeheure Symbokraft aus. Die NACKTE WAHRHEIT - zwischen Zweck und Freiheit, im wahrsten Sinne des Wortes!

Ich gratuliere!